Grindelwald: „Darf es etwas mehr sein“?

Das Grosse, Eindrucksvolle eröffnet sich einem schnell in Grindelwald. Erste grosse Schatten wirft nur schon der Kalkriese Eiger aufs Dorf.

Erst einmal wollten sich die drei bekannten Berggiganten nicht zeigen, versteckten sich hinter dichten Wolken. Die spielenden Kinder, oben auf der Bergstation der Männlichenbahn, liessen sich davon bestimmt nicht ablenken.

Kinderspielplatz Berggasthaus Männlichen
Kinderspielplatz Berggasthaus Männlichen

Gleich nebenan des Männlichen befindet sich das Lauberhorn. Eine etwas kleine aber sympathische Erhebung in Anbetracht seines Bekanntheitsgrads in unserem Lande.

Noch etwas weiter die Kleine Scheidegg. Deren Schwester, die Grosse Scheidegg, befindet sich auf der gegenüberliegenden Seite von Grindelwald, beim Übergang ins Tal nach Meiringen. Hier scheinen die Begriffe durcheinander geraten zu sein oder die Namensgebung war schneller als die touristische Entwicklung die die Kleine Scheidegg so gross werden liess.

Eiger Express bei der Bergstation
Eiger Express bei der Bergstation

Gross, sehr gross ist der neu erstellte Eiger Express und zählt zu den von Menschenhand gebauten Giganten in Grindelwald. Die „Terminal“ genannte Talstation am Dorfrand gilt es sich selber, vor Ort, anzusehen. Die Bezeichnung jedenfalls ist Programm. Ich wundere mich: braucht es diese Dimensionen? Es muss wohl, wie sonst lassen sich die erwarteten und erhofften Touristenmassen durchschleusen?

Mit eindrücklich auch die verbauten Betonmassen bei der Station Eigergletscher. Die riesigen Kabinen wollen ruck-zuck aufgenommen und entlehrt werden.

Eiger Express Grindelwald
Eiger Express Grindelwald

Tragisch gigantisch der Absturz eines Amerikaners, dessen junges Leben beim Basejumping-Flug vom „Magic Mushroom“, einem Felsvorsprung an der Eiger-Westflanke, endete.

Wir waren einzig Zeugen beim Bergen des Verunfallten durch Helfer der Rega, die Details erfuhren wir am Folgetag aus den Medien.

Eigernordwand
Eigernordwand

Etwas ruhiger und gelassener – nicht mehr mitten drin – ist es auf der gegenüberliegenden Seite von Grindelwald. Auf der Wanderung übers Faulhorn zur Schynige Platte gibts immer wieder spannende Blicke auf die umliegenden Bergriesen und die Seenlandschaft im Tal.

Mit diesem „Schritt zurück“ öffnet sich der Blick nun auch auf die umliegenden Hörner, das Schreckhorn, Lauteraarhorn, Finsteraarhorn und wie sie alle heissen.

Auch im Kleinen gibt es gigantisches, so ist die Kalk-Polsternelke eine Überlebenskünstlerin des Hochgebirges und hervorragend gegen Kälte geschützt. Die kugelförmige Gestalt bietet idealen Schutz vor Trockenheit und Temperaturschwankungen, das dichte Blätterdach schützt die kälteempfindlichen Wurzeln vor dem Erfrieren, im Innern des Polsters werden die eigenen alten Blätter zersetzt. Dabei werden Nährstoffe frei, die für das weitere Wachstum verwendet werden können und Humus gebildet, welcher wiederum anderen Pflanzen als Grundlage dient.

Polsternelke
Kalk-Polsternelke
Schrattenkalk unterhalb der Eigernordwand

Schrattenkalk im Kleinformat

Auf Gemütlichkeit und Kleinformat getrimmt oder schlicht seit über hundert Jahren unverändert ist das Bahnmaterial der Schynige Platte-Bahn. Die Lok und die Wagen schaukeln über die Gleise. Es fällt schwer, sich dem aufkommenden Verlangen, kurz zu dösen, entgegen zu stemmen.

Es finden sich weitere Zeugen aus längst vergangenen Zeiten. Die wassermühlenartig herausgeschwaschenen Mulden in der Gletscherschlucht bei Grindelwald zeugen von der steten Erosionskraft von Wasser und Gestein. Nach und nach hat sich der Fluss des Grindelwaldgletschers durch die Steinmassen gefressen – einige Jahrtausende hat dies bestimmt benötigt. Aber was ist das schon.

Gletscherschlucht Grindelwald
Gletscherschlucht Grindelwald

Martin

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